21. Juni 2012

Geopolitischer Brennpunkt Ukraine

Die Ukraine als Dreh- und Angelpunkt

Von Michel Buckley

Präsident Janukowytsch und Oppositionsführerin Timoshenko

Die Ukraine steht wegen der Fußball-Europameisterschaft wieder in den Schlagzeilen. Die Haftbedingungen der ukrainischen Oppositionspolitikerin Julija Timoshenko haben aber auch für eine Kontroverse gesorgt, die seit Ende April durch zahlreiche EM-Boykott-Aufrufe vor allem von deutschen Politikern eine internationale Dimension angenommen hat. Es stehen sich wieder die alten Kontrahenten der „orangenen Revolution“ von 2004, Timoshenko und der aktuelle Präsident Wiktor Janukowytsch, gegenüber und europäischer Politike setzen sich für die Oppositionspolitikerin ein – bis hin zum diplomatischen Affront. Dies sollte Anlass sein, sich die geopolitische Bedeutung des nach Russland flächen- und einwohnermäßig größten Landes Mittel- und Osteuropas einmal genauer anzusehen.

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3. Mai 2012

Parallelen und Paradoxien

Vor 90 Jahren schlossen Sowjetrussland und Deutschland den Vertrag von Rapallo

Ein Gastbeitrag von Valentin Falin

nullReichskanzler Joseph Wirth (2.v.l.) mit den Vertretern der russischen Seite: Krassin, Tschitscherin, Joffe. Bildquelle: Bundesarchiv.

Es sind Abertausende Bücher über das 20. Jahrhundert geschrieben worden und doch ist die Geschichte dieses Säculums noch längst nicht gerecht und ausgewogen dargestellt. Es gibt viele Hypothesen und noch mehr Unterstellungen. Doch ein Schwarz-Weiß-Denken dient nicht einer Geschichtsschreibung, die sich als Wissenschaft von der Geschichte versteht und helfen kann, aus der Vergangenheit zu lernen, um eine Wiederholung von Fehlern oder Verbrechen zu vermeiden.

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26. März 2012

Geopolitischer Brennpunkt Griechenland

Griechenland im Spiegel von Großmachtinteressen und Globaler Politischer Ökonomie

Von David X. Noack

Griechische Flagge zur Unabhängigkeitswerdung

Griechische Flagge zur Unabhängigkeitswerdung

1832 wurde der bayerische Wittelsbacher Prinz Otto, Sohn König Ludwigs I. von Bayern, als Otto der Erste der erster griechische neuzeitliche König. Otto I. war den revolutionären Hellenen von den europäischen Großmächten Großbritannien, Frankreich und Russland aufgedrückt worden. Zur Herrschaftssicherung hatte König Otto noch bis 1843 bayrische Truppen vor Ort. Das „unabhängig“ gewordene Königreich fristete ein Dasein als Spielball vor allem russischer und britischer Großmachtinteressen. Moskau verfolgte über Jahrhunderte den Drang an die warmen Meere und London hatte ein Interesse an den Handelsrouten auf den Weltmeeren, vor allem nach Indien.

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20. Januar 2012

Flandern, Wallonien, der Neoliberalismus und der Rheinische Kapitalismus

Kapitalfraktionen in Belgien

Von David X. Noack

Die südbelgische Region Wallonien dominierte die Wirtschaft Belgiens in der Blütezeit des Kapitals im 19. Jahrhundert. Französisch wurde landesweit gesprochen und der Kongo, Privatbesitz des belgischen Königs, war ebenso frankophon. Genau wie das französische Kapital investierte das belgische viel in das Russische Zarenreich. Der finanzkräftigste Financier Belgiens war jedoch Baron Empain, der mit der französischen Schneider-Gruppe (eine der wenigen in atlantische Wirtschaftszirkulationen eingebundene Unternehmensgruppen Frankreichs) verbandelt war.

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1. Oktober 2011

Kapitalfraktionen in Deutschland II – Atlantiker und Gaullisten (1944-1987)

Von David Noack

Im ersten Teil wurde die Genesis der Kapitalfraktionen in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik beschrieben, dies ist die erste Fortsetzung.

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13. September 2011

Brüssels Drang nach Osten: Die Ökonomische Kolonisierung Osteuropas 1990-2010 (Teil 2)

Von Hannes Hofbauer

Im ersten Teil legte der Wiener Publizist und Autor Hannes Hofbauer die Grundpfeiler der EU-Expansion in den vergangenen zwei Jahrzehnten dar. Weiterlesen

29. August 2011

Brüssels Drang nach Osten: Die Ökonomische Kolonisierung Osteuropas 1990-2010 (Teil 1)

Von Hannes Hofbauer

Zum 01.05.2004 traten acht osteuropäische Länder (sowie Zypern und Malta) der Europäischen Union bei, am 1. Januar 2007 folgten die Nachzügler Rumänien und Bulgarien. Damit hat sich der Einfluss der Brüsseler Gesetzgebung auf 106 Millionen Menschen und 1,1 Millionen Quadratkilometer erweitert. Mit Kroatien wurden die Gespräche im Juni 2011 abgeschlossen und ein Beitritt von der EU-Kommission empfohlen, Makedonien wartet seit Jahren auf das griechische Einverständnis zur Eröffnung von konkreten Aufnahmegesprächen, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro sollen gerade mit rasch wechselnden Droh- und Lockrufen politisch gefügig gemacht werden und die Türkei wird seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen der Europäischen Gemeinschaft/Europäischen Union als eine Art strategische Reserve in der Warteschlange gehalten. Das Projekt der Erweiterung ist nicht abgeschlossen, es ist als kontinuierliches angelegt. Weiterlesen

8. August 2011

Kapitalfraktionen in Deutschland I – Der Atlantik oder der Kontinent

Von David X. Noack

Hjalmar Schacht

„Das gesellschaftliche »Gesamtkapital existiert nicht als bewusst handelndes Subjekt« (Hickel 1975). Das gemeinsame Interesse der Kapitalisten an der Ausbeutung der Arbeiterklasse setzt sich in der Konkurrenz der Einzelkapitale durch. »Lassen sich aber spezifische Widersprüche von Einzelkapitalien bündeln, so knüpft sich daran ein Interesse an, das den Begriff der Kapitalfraktion rechtfertigt« (…).“

Thomas Sablowski: Kapitalfraktionen, HKWM 7/I, 2008.

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25. Mai 2011

Jenseits der Berlusconi-Affäre

Kapitalfraktionskämpfe in der Geschichte Italiens

Von David X. Noack

Auf Italien schaut die europäische Öffentlichkeit vor allem deshalb, da Silvio Berlusconi wieder einmal in Sex-Skandale und andere Affären verwickelt ist. Vergessen bleibt dabei eine lange Geschichte der Kapitalfraktionskämpfe in dem südeuropäischen Land, innerhalb derer auch Berlusconi bis heute keine geringe Rolle spielt. Weiterlesen

23. Februar 2011

Russland stoppt Balkanprojekt

Bildquelle: Wikipedia

Bojko Borissow (Bildquelle: Wikipedia)

 

Ein Gastbeitrag von Vladimir Socor

Am 17. Februar stoppten die Aktieneigentümer und der Aufsichtsrat des russisch-geführten Burgas-Alexandroupoli-Öl-Pipeline-Projektes dasjenige. Die beteiligten Länder Bulgarien und Griechenland hatten – jeder aus unterschiedlichen Gründen – kürzlich ihre Zahlungen an die Konsortiumsfirma gestoppt. Das Aufsichtsrattreffen entschied, das Personal zu entlassen und die gemieteten Büroräume für die Firma aufzugeben. Weiterlesen

7. Oktober 2010

20 Jahre Wiedervereinigung – 20 Jahre Durchmarsch des Neoliberalismus

Die Deutsche Einheit und das Ende des Rheinischen Kapitalismus

Von Michel Buckley

„Bei der nächsten Wiedervereinigung machen wir alles besser“: So begegnete Kurt Biedenkopf schon 1992 Kritikern des Wiedervereinigungsprozesses. Wünschen tut man sich dies auch 20 Jahre später, denn auch dieses Jahr war deutlich: Richtig Freude wollte nicht aufkommen. Stattdessen wurde der zwanzigste Jahrestag nach der Rede von Bundespräsident Christian Wulff erneut von einer Islam-Debatte beherrscht. Der 3. Oktober ist an sich kaum mehr als ein bürokratisches Datum, ausgesucht vor allem um zu verhindern, dass die DDR noch einen 41. Jahrestag (am 7. Oktober) feiern konnte. Weiterlesen

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22. September 2010

Berlusconis Klemme

Italiens Rechte gruppiert sich um. Wird die schwelende Regierungskrise in Rom zum Sturz des Mediendiktators führen? Und was kommt danach?

Von Gerhard Feldbauer

Seit April schwelt in Rom die Krise der Berlusconi-Regierung. Gianfranco ­Fini, der Führer der früheren Alleanza-Nazionale-(AN)-Faschisten, die sich 2009 mit Berlusconis Forza-Partei zu einer Partei der Freiheit (PdL) zusammenschlossen, hatte mit 36 Abgeordneten dem Regierungschef die Gefolgschaft aufgekündigt. Als Präsident der Abgeordnetenkammer hat er beträchtlichen Einfluß auf den Gang der Regierungsgeschäfte. Berlusconi hat Fini postwendend aus seiner PdL ausgeschlossen und seinen Rücktritt gefordert, was dieser natürlich ablehnte. Fini ist dabei, eine eigene Partei »Futuro e Libertà« (Zukunft und Freiheit) zu gründen. Der frühere Hardliner agiert als geläuterter Faschist, der vergessen machen möchte, daß er den »Duce« einst als »größten Staatsmann des 20. Jahrhunderts« verherrlichte, der viel Gutes für Italien getan habe. Am Bild des Mussolini-Faschismus nahm er allenfalls kosmetische Korrekturen vor. Grundsätzlich hat er sich von ihm nie distanziert, noch hat er ihn verurteilt. Weiterlesen