Archive for ‘Russland’

7. Februar 2018

Umsturz in Simbabwe

Über die politische Ökonomie eines nicht-neoliberalen peripheren nationalistischen Systems

Von David X. Noack

Mitte November vergangenen Jahres marschierten Teile des simbabwischen Militär in der Hauptstadt des subsaharischen Landes auf. Infolgedessen übernahm Mugabes 2014 eingesetzter Vize Emmerson Mnangagwa am 19. November 2017 den Posten des Vorsitzenden der Regierungspartei ZANU-PF und am 24. November 2017 auch das Präsidentenamt. Nach 37 Jahren endete somit die Regierungszeit des berüchtigten Robert Mugabe in Simbabwe.

Im Jahr 1965 erklärte die Regierung der britischen Kronkolonie Südrhodesiens einseitig die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Im Verlauf der 1960er und 1970er Jahre entstand dann ein stark staatszentriertes Wirtschaftssystem eines rassistischen Apartheidstaates. Durch Importsubstitution und strategische Exporte – vor allem in die Gebiete des verbündeten südafrikanischen Apartheidstaats – konnte die südrhodesische Wirtschaft einen hohen Grad an Industrialisierung erreichen und auch dauerhaft halten.[1] Militärisch stand das rhodesische Rassistenregime eng an der Seite der NATO und ihrer Verbündeten im südlichen Afrika: 1970 gründeten das faschistische Portugal (wegen der damaligen Kolonien Moçambiqueund Angola), Südafrika und Südrhodesien das Bündnis ALCORA, in welchem die Armeeführungen der drei Seiten ihre Aufstandsbekämpfungsmaßnahmen koordinierten.

Doch auch die Koordination bei der Bekämpfung der verschiedenen Guerilla-Bewegungen mit diesen Staaten konnten die verschiedenen simbabwischen Unabhängigkeitsbewegungen nicht empfindlich schwächen: Nach einem jahrzehntelangen Unabhängigkeitskrieg einigten sich die Befreiungsbewegungen, die britische Regierung als nominell weiterregierende Kolonialmacht und das Rassistenregime im Jahr 1979 auf das Lancaster-House-Abkommen, welches den Weg zu den ersten freien Wahlen im Land ebnete. Die eng mit der VR China verbündete Befreiungsbewegung ZANU-PF gewann diesen Urnengang dann und Robert Mugabe kam ins Amt des Premierministers. Auch wenn sich die ZANU-PF offiziell den Sozialismus als Ziel setzte, kam ihre Führung vor allem aus einem städtisch-kleinbürgerlichen Milieu und die Massenbasis erreichte sie durch ihre bäuerliche Anhängerschaft.[2] Die praktische Politik der ZANU-PF-Regierungen war dementsprechend auch eine gradualistische: In kleinen Schritten wurde der Bildungssektor ausgebaut und die soziale Lage der breiten Masse der Bevölkerung verbessert.

Doch das blieb nicht ohne nationale und vor allem internationale Widerstände. Im Jahr 1985 beschwerte sich Premier Mugabe, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) konsequent darauf dringen würde, die staatlichen Ausgaben für Bildung und Rüstung zu kürzen.[3] Ein Jahr zuvor hatte der Weltwährungsfonds sein Büro in dem Land geschlossen.[4] Die US-Regierung kürzte außerdem die Entwicklungshilfe, die beim Friedensabkommen von 1979 noch zugesagt worden war.[5] Zusätzlich zum politischen und wirtschaftlichen Druck kam der militärische: Die Armee des Apartheidstaats Südafrika führte regelmäßig Überfälle auf Simbabwe durch.[6] Das Projekt eines simbabwischen Sozialstaats stand unter enormen äußeren Druck.

Durch die innere Verfasstheit von Staat und Partei sowie eben jenem äußeren Druck kehrte sich der simbabwische Weg zu einem starken Sozialstaat bereits Ende der 1980er Jahre um. Innerhalb der ZANU-PF setzten sich neoliberale Technokraten durch und 1990 begann das ‚Ökonomische Strukturanpassungsprogramm’ (Economic Structural Adjustment Program, ESAP). Mugabe, der 1987 zum Präsidenten wurde nachdem das Amt des Premiers abgeschafft wurde, hatte das ESAP im Jahr 1989 angekündigt. Dieses ESAP entsprach im Wesentlichen einer klassischen neoliberalen Schocktherapie nach IWF- und Weltbank-Muster.

Der neu eingeschlagene wirtschaftsliberale Kurs brachte der simbabwischen Regierung viele Freunde im Westen: Im Handelsblatt hieß es im Jahr 1994, Mugabe habe „sich zum Musterschüler der Weltbank“ gemausert.[7] Queen Elizabeth erhob das simbabwische Staatsoberhaupt im selben Jahr sogar in den Ritterstand.[8] Auch nach ersten Problemen Mitte der 1990er Jahre lobten Weltwährungsfonds-Vertreter die Mugabe-Zentralbankpolitik im Jahr 1997 noch als „stark und umfassend“.[9]

Die Integration in den neoliberalen Weltmarkt geschah dabei unter anderem über das Militärwesen: Ende der 1990er Jahre unterstützten die Streitkräfte diverser afrikanischer Staaten die neue Regierung der D.R. Kongo (bis 1997 Zaire) von Laurent-Désiré Kabila. IWF-Vertreter verlangten von der Regierung Simbabwes Details über den in Simbabwe selbst höchst unbeliebten Auslandseinsatz im Kongo. Im Austausch für militärisch sensible Daten erhielt die Regierung Mugabe weitere Kredittranchen.[10] Als Justizminister und Parlamentspräsident beaufsichtigte Emmerson Mnangagwa den Auslandseinsatz und konnte durch die Plünderung von kongolesischen Diamanten bereichern.[11] Der Einsatz entwickelte sich zu einem Raubzug, in welchem das simbabwische Militär – mit Segen der kongolesischen Regierung und des Weltwährungsfonds – den Kongo ausplünderte.

Unabhängig von diesem Raubzug im Kongo blieb der Tabakanbau die wichtigste Deviseneinnahmequelle der simbabwischen Wirtschaft. Auf riesigen Plantagen ernteten Bauern Tabak, welcher dann an British American Tobacco (BAT – die beliebteste Marke dieses Konzerns ist Lucky Strike), Rothmans (1999 von BAT übernommen) und die simbabwische Firma TA Holdings[12] verkauft wurde. Die Profite blieben meist bei den weißen Farmbesitzern.[13] In den 1990er Jahren vergrößerten sich die Flächen im Land, auf denen Tabak angebaut wurde, noch einmal deutlich. Als Zulieferer agrarischer Produkte für den Weltmarkt wurde Simbabwe so fest in den Weltmarkt integriert – als peripheres Land.

Doch der neoliberale Kurs erwies sich als nicht nachhaltig. Die Profite der Großbauern, der kleinen nationalen Finanzelite, der Militärführung und vor allem der multinationalen Konzerne sowie die grassierende Korruption in der politischen Sphäre schmälerte die Basis für den Entwicklungsweg, den die ZANU-PF eingeschlagen hatte. Vor allem Kriegsveteranen aus dem Unabhängigkeitskampf und Bauern rebellierten. Infolgedessen wandte sich die simbabwische Regierung Ende der 1990er Jahre von IWF und Weltbank und damit einhergehend von den Westmächten allgemein ab.

Nach diesem Schwenk begann die Regierung eine gewaltsam durchgeführte Landreform gegen die weißen Siedler und infolgedessen nahmen die Drohungen aus den EU- und NATO-Staaten zu. Im Jahr 2001 beschloss der Rat der EU, dass die westeuropäische Wirtschaftsgemeinschaft Sanktionen erlassen würde, wenn sich die Menschenrechtslage im Land nicht verbessern würde. Im selben Jahr traten erstmals US-Sanktionen gegen das kleine afrikanische Land in Kraft. Die EU-Sanktionen folgten ab dem Jahr 2002.[14] Im gleichen Jahr veröffentliche der IWF eine Erklärung über eine „Nicht-Kooperation“ mit Simbabwe.[15] Die simbabwische Opposition bildete zu dieser Zeit eine Schattenregierung, mit deren Außenminister sich ein Staatssekretär des deutschen Auswärtigen Amts traf. In Berlin befürchtete man, die Regierung der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia könne dem simbabwischen Beispiel folgen und deutschstämmige namibische Großgrundbesitzer enteignen.[16] Der damalige Präsident Namibias hatte mehrmals damit gedroht.

Im Zuge der Abwendung von IWF und Weltbank – und damit einhergehend mit allen westlichen Staaten – verbesserte die Regierung von Simbabwe vor allem die Beziehungen zur VR China. Präsident Mugabe beschrieb diese Politik als „Look East“.[] Aus China kamen in den vergangenen Jahrzehnten größere Investitionen in die Bereiche Minenwesen, Tabak und im Bausektor. Chinesische Firmen haben acht Milliarden US-Dollar in simbabwische Diamantenfelder investiert und stiegen großflächig in die Tabakernte ein.[17] Simbabwe ist der weltweit siebentgrößte Diamantenhersteller.

Auch im Polizei- und Militärwesen unterhalten China und Simbabwe enge Beziehungen. Seit einem westlichen Waffenembargo stieg die asiatische Volksrepublik zum größten Waffenverkäufer an die simbabwische Armee auf. Eine Beratergruppe der chinesischen Volksbefreiungsarmee unterrichtet an der Stabsakademie (Staff College) in Harare und China vergab auch einen Kredit über 98 Millionen US-Dollar für eine neue simbabwische Militärakademie (Defence College).[18]

Abgesehen von dieser „Hard Power“ forcierte die chinesische Regierung auch die „Soft Power“ in dem subsaharischen Land: So wurde ein Konfuzius-Institut an der Universität von Harare eingerichtet, eine chinesisch-simbabwische Freundschaftsgesellschaft gegründet und die Kommunistische Partei Chinas unterstützte die ZANU-PF beim Aufbau einer neuen Parteizentrale.[19]

Neben der VR China forcierte die simbabwische Regierung auch die Beziehungen zu Indien, Russland, dem Iran und Venezuela. Als einziger subsaharischer Staat erkannte Simbabwe die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation an und im Dezember 2014 besuchte der simbabwische Umweltminister als erstes Mitglied einer ausländischen Regierung die russische Krim.[20] Neben den engen diplomatischen Beziehungen gibt es auch die ökonomischen: So errichten staatliche Organisationen beider Länder gemeinsam eine Platinfabrik im Land.[21] Diese ist in Simbabwe höchst umstritten. Das simbabwische Militär plant auch, russische Militärgüter zu importieren.[22]

Alles in allem ist festzustellen, dass die Wirtschaft in Simbabwe nicht neoliberal organisiert und dementsprechend auf eine andere Weise in den wirtschaftsliberal dominierten Weltmarkt integriert ist. Stattdessen entstand in dem subsaharischen Land ein Patronagesystem, von welchem Teile der politischen und militärischen Führung enorm profitieren. Auf der anderen Seite sind große Teile der Bevölkerung verarmt – die massive Inflation nahm den Menschen das Ersparte – und das Land ist weitgehend deindustrialisiert. Politökonomisch betrachtet ist das Land ein peripherer Staat, wobei vor allem Rohstoffe nach China und – in weit kleinerem Umfang – in afrikanische Staaten und nach Russland exportiert werden (Tabak, Baumwolle, Platin und Gold). Für Südafrika wiederum dient Simbabwe hauptsächlich als Reservoir für billige Arbeitskräfte – in dem südlichen Nachbarland leben ungefähr eine bis fünf Millionen Simbabwer.[]

Der Putsch vom November 2017 war anscheinend Folge eines Verteilungskonfliktes zwischen verschiedenen Fraktionen im Patronagesystem Simbabwes. Dahinter standen wahrscheinlich keine ideologischen Auseinandersetzungen. Ex-Präsident Mugabe wurde dementsprechend in der Logik der korrupten politischen Führung konsequenterweise mit einem „goldenen Handschlag“ verabschiedet: Er bekommt weiterhin Leistungen von circa 10 Millionen US-Dollar ausgezahlt und er selbst sowie seine Familie sind von rechtlichen Konsequenzen ausgenommen.[] Von der neuen simbabwischen Regierung sind kaum Änderungen in der Außen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik des Landes zu erwarten.

Auf der Bühne der internationalen Diplomatie profitieren vor allem China, Russland und Südafrika von dem nicht-neoliberalen System Simbabwes. Vor zwei Jahren hat die simbabwische Regierung den chinesischen Yuan als eine Währung für den internationalen Zahlungsverkehr übernommen – als erster afrikanischer Staat überhaupt.[] Experten gehen davon aus, dass der neue Präsident Emmerson Mnangagwa von der chinesischen Regierung seit langem favorisiert wurde. Der General, welcher den Putsch anführte (Constantino Chiwenga), befand sich nur eine Woche vor dem Umsturz in der VR China.[] Chiwenga ist jetzt Vizepräsident.

[1] Dennis Masaka: Pitting Market Economy Against Planned Economy: A False Dichotomy in Zimbabwe (1980–2011), in: Journal of Black Studies, Jg. 44 (2013), Nr. 3, S. 314–329 (hier: S. 316).
[2] Tom Meisenhelder: The Decline of Socialism in Zimbabwe, in: Social Justice, Jg. 21 (1994), Nr. 4 (58), S. 83–101 (hier: S. 86).
[3] Patrick Bond: Zimbabwe’s Hide & Seek with the IMF: Imperialism, Nationalism & the South African Proxy, in: Review of African Political Economy, Jg. 32 (2005), Nr. 106, S. 609–619 (hier: S. 613).
[4] Meisenhelder: The Decline of Socialism in Zimbabwe, S. 94.
[5] Ebenda, S. 89.
[6] Bond: Zimbabwe’s Hide & Seek with the IMF, S. 316.
[7] Mugabe wandelt sich zum Musterschüler der Weltbank, in: Handelsblatt, 15.09.1994.
[8] Der Titel wurde ihm 14 Jahre später wieder aberkannt. Andrew Porter: Robert Mugabe to be stripped of knighthood, telegraph.co.uk 25.06.2008.
[9] Der IWF lobt die Stabilisierungsmaßnahme von Zimbabwe, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.1997.
[10] Bond: Zimbabwe’s Hide & Seek with the IMF, S. 613.
[11] Vasabjit Banerjee/Timothy S. Rich: Diamonds and the Crocodile: China’s Role in the Zimbabwe Coup Tracking China’s interests in the south African state, thediplomat.com 22.11.2017. Hier abrufbar.
[12] Ariston Chambati stand an der Spitze von TA Holdings. Chambati hatte in New York und Oxford studiert, im US-Konsulat in Salisbury gearbeitet und war Mitglied in Weltbank-Gremien dem Beirat von Coca Cola Africa. Er amtierte 1995 kurzzeitig als Finanzminister, starb jedoch kurz danach überraschenderweise. TA Holdings hatte enge Kontakte zum US-Konzern Transcontinental Leaf. Zu Chambati siehe: Patrick Bond: Uneven Zimbabwe – A Study of Finance, Development, and Underdevelopment, Trenton (NJ) 1998, S. 201. Hier erwerbbar.
[13] Ann Willcox Seidman: Apartheid, Militarism and the U.S. Southeast, Trenton (NJ) 1990, S. 98. Hier erwerbbar.
[14] Karen E. Smith: The limits of proactive cosmopolitanism: The EU and Burma, Cuba and Zimbabwe, in: Ole Elgström/Michael Smith: The European Union’s Roles in International Politics: Concepts and Analysis, London 2006, S. 155–171 (hier: S. 161). Hier erwerbbar.
[15] David Seddon: A Political and Economic Dictionary of Africa, London 2013, S. 584. Hier erwerbbar.
[16] Kolonialprobleme, german-foreign-policy.com 12.06.2003.
[17] Michelle Chan-Fishel: Environmental impact: more of the same?, in: Firoze Manji/Stephen Marks (Hgg.): African Perspectives on China in Africa, Oxford 2007, S. 139–153 (hier: S. 144). Hier erwerbbar.
[18] David H. Shinn/Joshua Eisenman: China and Africa – A Century of Engagement, Philadelphia (PA) 2012, S. 333. Hier erwerbbar.
[19] Shinn/Eisenman: China and Africa – A Century of Engagement, S. 333; Meine Pieter van Dijk: The Impact of the Chinese in other African Countries and Sectors, in: Meine Pieter van Dijk (Hgg.): The New Presence of China in Africa, Amsterdam 2009, S. 157–176 (hier: S. 164).
[20] Ukraine angry as Zimbabwe minister visits Crimea, en.interfax.com.ua 22.12.2014. Hier abrufbar.
[21] Russia, Zimbabwe to Start Building Platinum Production Complex in 2016, sputniknews.com 30.04.2016. Hier abrufbar.
[22] Russia Ready to Export Transport Equipment, Off-Road Vehicles to Zimbabwe, sputniknews.com 04.05.2016. Hier abrufbar.
[] Tara Polzer: South African Government and Civil Society Responses to Zimbabwean Migration, in: SAMP Policy Brief, Nr. 22 (2008), S. 6.
[] Jason Burke: Zimbabwe: Robert Mugabe to get $10m payoff and immunity for his family, theguardian.com 26.11.2017. Hier abrufbar.
[] Samuel Ramani: Zimbabwe: China’s ‘All-Weather’ Friend in Africa, thediplomat.com 11.01.2016. Hier abrufbar.
[] Intercepted Podcast — Very Bad Men: Trump, the Saudi Crown Prince, sexual Assaulters, and Robert Mugabe, theintercept.com 29.11.2017. Hier abrufbar.

Advertisements
3. Dezember 2014

Die Ostpolitik der SPD und der aktuellen deutschen Regierung im Lichte der Geschichte und aktuellen Situation der Kapitalfraktionen in Deutschland

Von David X. Noack

Im Laufe des Deutschen Kaiserreichs ab 1871 sowie der Weimarer Republik entstanden in Deutschland zwei große Fraktionen des deutschen Kapitals, die das Gerangel um die geopolitische Ausrichtung Deutschlands für eine lange Zeit prägen sollten: Die atlantische und die kontinentale Kapitalfraktion.[1] Diese Unterscheidung beschreibt keine zwei monolithischen Blöcke, sondern grobe Tendenzen verschiedener deutscher Großkonzerne, allen voran ihrer wichtigsten Bankenhäuser. Es gab neben diesen zwei Richtungen durchaus auch Unternehmen, die mit beiden Seiten kooperierten, wie das berühmte Bankhaus Stein.[2]

read more »

31. Mai 2014

Was ist in Abchasien los?

Einige Hintergründe zum westgeorgischen stabilisierten De-facto-Regime

Von David X. Noack

Unruhen und der vielleicht erfolgte Sturz der Regierung der Abchasischen Republik prägen derzeit die Nachrichten aus der einstigen „sowjetischen Riviera“. Doch vor allem in der westlichen Presse dominieren einige Missverständnisse die Berichterstattung über Abchasien, welches sich 1992 von Georgien abspaltete und dessen Unabhängigkeit bis heute lediglich von den UN-Mitgliedern Russland, Venezuela, Nicaragua und Nauru sowie den weiteren stabilisierten De-facto-Regimen Südossetien, Transnistrien und Berg-Karabach anerkannt wird.

read more »

24. März 2013

Militärisch-diplomatische Kurzübersicht über die Lage in Syrien

Der Bürgerkrieg an den Rändern Syriens hält an – mit Angriffen Israels verkompliziert sich die Lage derzeit vor Ort noch mehr

Von Mikulaš Čaplovič

Bereits seit März 2011 herrscht in der Arabischen Republik Syrien ein Bürgerkrieg. Anfangs friedliche Proteste schlugen die syrischen Sicherheitskräfte mit übermäßiger Härte nieder. In das Fenster von Möglichkeiten traten äußere Mächte und islamistische Extremisten, die seitdem versuchen, die syrische Regierung zu stürzen. Die Regierung der Arabischen Republik Syrien kontrolliert weiterhin – entgegen vieler Presseberichte im Westen – große Teile des eigenen Landes. Unterschiedliche Fraktionen kontrollieren die anderen Gebiete oder kämpfen untereinander oder gegen die syrischen Sicherheitskräfte um die Kontrolle der Territorien. Die Westmächte und die reaktionären Golfmonarchien haben ihre offiziellen Beziehungen zur syrischen Regierung abgebrochen und erkennen eine selbst ernannte „Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte“ sowie deren „Exilregierung“ an. Die Westmächte und die mit ihnen verbündeten Regierungen verfolgen einen Kurs der Zerstörung der syrisch-arabischen Regierung und lehnen weiterhin jedes Angebot auf Dialog ab.

read more »

16. November 2012

Bulgariens Parlamentswahl 1990 – Wenn die Falschen Wahlen gewinnen (Teil 3 und Schluss)

Ein Gastbeitrag von William Blum

1990 gewann die Bulgarische Sozialistische Partei die Parlamentswahl in dem östlichen Balkanland. Doch für die USA setzten sich mit den gewendeten Kommunisten die falschen Kräfte durch. Nach den ersten beiden Teilen erscheint hiermit der dritte Teil und Schluss des The Heartland-Blog-Dreiteilers.

Am 23. November überlebte Lukanow (gerade eben so) ein Misstrauensvotum, das dazu führte, dass die UDK aus dem Parlament stürmte und verkündete, dass sie für eine „undefinierte Periode“ nicht zurückkehren würde.“ Drei Tage später leitete die Podkrepa-Gewerkschaftsorganisation einen „Generalstreik“ in die Wege, der nicht von der Mehrheit der Arbeiter der Nation unterstützt wurde.[1]

read more »

13. Oktober 2012

Bulgariens Parlamentswahl 1990 – Wenn die Falschen Wahlen gewinnen (Teil 2)

Ein Gastbeitrag von William Blum

1990 gewann die Bulgarische Sozialistische Partei die Parlamentswahl in dem östlichen Balkanland. Doch für die USA gewannen mit den gewendeten Kommunisten die falschen Kräfte. Nach dem ersten Teil hier nun der zweite Teil des The Heartland-Blog-Dreiteilers. Der dritte Teil erscheint demnächst.

Logo der Gewerkschaft Podkrepa (Bildquelle: Wikipedia)

Logo der Gewerkschaft Podkrepa (Bildquelle: Wikipedia)

Die Demonstrationen, die Proteste und die Agitation gingen im Juli täglich weiter. Eine „Stadt der Freiheit“, die aus mehr als 60 Zelten bestand, wurde im Zentrum von Sofia aufgestellt, besetzt von Leuten, die sagten, dass sie dort bleiben würden bis alle hochrangigen bulgarischen Politiker, die unter dem alten kommunistischen Regime gedient hatten, entfernt wären. Als ihnen verweigert wurde, was sie als angemessenen Zugang zu den Medien betrachteten, fügten die Protestierenden den Rücktritt des Chefs des bulgarischen Fernsehens zu ihren Forderungen hinzu.[1] Einmal wurde ein riesiger Scheiterhaufen auf der Straße errichtet, in dem Texte der kommunistischen Zeit verbrannt wurden, sowie auch Parteiprogramme und Flaggen.[2]

read more »

21. Juni 2012

Geopolitischer Brennpunkt Ukraine

Die Ukraine als Dreh- und Angelpunkt

Von Michel Buckley

Präsident Janukowytsch und Oppositionsführerin Timoshenko

Die Ukraine steht wegen der Fußball-Europameisterschaft wieder in den Schlagzeilen. Die Haftbedingungen der ukrainischen Oppositionspolitikerin Julija Timoshenko haben aber auch für eine Kontroverse gesorgt, die seit Ende April durch zahlreiche EM-Boykott-Aufrufe vor allem von deutschen Politikern eine internationale Dimension angenommen hat. Es stehen sich wieder die alten Kontrahenten der „orangenen Revolution“ von 2004, Timoshenko und der aktuelle Präsident Wiktor Janukowytsch, gegenüber und europäischer Politike setzen sich für die Oppositionspolitikerin ein – bis hin zum diplomatischen Affront. Dies sollte Anlass sein, sich die geopolitische Bedeutung des nach Russland flächen- und einwohnermäßig größten Landes Mittel- und Osteuropas einmal genauer anzusehen.

read more »

3. Mai 2012

Parallelen und Paradoxien

Vor 90 Jahren schlossen Sowjetrussland und Deutschland den Vertrag von Rapallo

Ein Gastbeitrag von Valentin Falin

nullReichskanzler Joseph Wirth (2.v.l.) mit den Vertretern der russischen Seite: Krassin, Tschitscherin, Joffe. Bildquelle: Bundesarchiv.

Es sind Abertausende Bücher über das 20. Jahrhundert geschrieben worden und doch ist die Geschichte dieses Säculums noch längst nicht gerecht und ausgewogen dargestellt. Es gibt viele Hypothesen und noch mehr Unterstellungen. Doch ein Schwarz-Weiß-Denken dient nicht einer Geschichtsschreibung, die sich als Wissenschaft von der Geschichte versteht und helfen kann, aus der Vergangenheit zu lernen, um eine Wiederholung von Fehlern oder Verbrechen zu vermeiden.

read more »

26. März 2012

Geopolitischer Brennpunkt Griechenland

Griechenland im Spiegel von Großmachtinteressen und Globaler Politischer Ökonomie

Von David X. Noack

Griechische Flagge zur Unabhängigkeitswerdung

Griechische Flagge zur Unabhängigkeitswerdung

1832 wurde der bayerische Wittelsbacher Prinz Otto, Sohn König Ludwigs I. von Bayern, als Otto der Erste der erster griechische neuzeitliche König. Otto I. war den revolutionären Hellenen von den europäischen Großmächten Großbritannien, Frankreich und Russland aufgedrückt worden. Zur Herrschaftssicherung hatte König Otto noch bis 1843 bayrische Truppen vor Ort. Das „unabhängig“ gewordene Königreich fristete ein Dasein als Spielball vor allem russischer und britischer Großmachtinteressen. Moskau verfolgte über Jahrhunderte den Drang an die warmen Meere und London hatte ein Interesse an den Handelsrouten auf den Weltmeeren, vor allem nach Indien.

read more »

1. Oktober 2011

Kapitalfraktionen in Deutschland II – Atlantiker und Gaullisten (1944-1987)

Von David Noack

Im ersten Teil wurde die Genesis der Kapitalfraktionen in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik beschrieben, dies ist die erste Fortsetzung.

read more »

13. September 2011

Brüssels Drang nach Osten: Die Ökonomische Kolonisierung Osteuropas 1990-2010 (Teil 2)

Von Hannes Hofbauer

Im ersten Teil legte der Wiener Publizist und Autor Hannes Hofbauer die Grundpfeiler der EU-Expansion in den vergangenen zwei Jahrzehnten dar.

read more »

29. August 2011

Brüssels Drang nach Osten: Die Ökonomische Kolonisierung Osteuropas 1990-2010 (Teil 1)

Von Hannes Hofbauer

Zum 01.05.2004 traten acht osteuropäische Länder (sowie Zypern und Malta) der Europäischen Union bei, am 1. Januar 2007 folgten die Nachzügler Rumänien und Bulgarien. Damit hat sich der Einfluss der Brüsseler Gesetzgebung auf 106 Millionen Menschen und 1,1 Millionen Quadratkilometer erweitert. Mit Kroatien wurden die Gespräche im Juni 2011 abgeschlossen und ein Beitritt von der EU-Kommission empfohlen, Makedonien wartet seit Jahren auf das griechische Einverständnis zur Eröffnung von konkreten Aufnahmegesprächen, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro sollen gerade mit rasch wechselnden Droh- und Lockrufen politisch gefügig gemacht werden und die Türkei wird seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen der Europäischen Gemeinschaft/Europäischen Union als eine Art strategische Reserve in der Warteschlange gehalten. Das Projekt der Erweiterung ist nicht abgeschlossen, es ist als kontinuierliches angelegt.

read more »