Archive for ‘Deutschland’

14. Februar 2016

Die politische, politökonomische und militärische Entwicklung des Jemens bis zum Jahr 2010

Von David X. Noack

Seit 20 Jahren befindet sich der auf der Südseite der arabischen Halbinsel gelegene Staat des Jemens in einem beispiellosen Zerfallsprozess. Ein Bürgerkrieg und die Militärintervention einer von Saudi-Arabien angeführten internationalen Militärkoalition bilden die bisher letzten traurigen Kapitel dieser Entwicklung. Die Grundlage des Zerberstens des jemenitischen Staates schufen mehrere wirtschaftliche Schocks, darunter ein neoliberales Schockprogramm, welche das soziale Gefüge des Landes auseinanderbachen. Darüber hinaus ist der Jemen mit seiner strategischen Lage am Bab al-Mandab („Tor der Tränen“), der Wasserstraße zwischen Rotem und Arabischem Meer, Ziel der Einflussversuche diverser Regional-, Groß- und Supermächte. Deren Ambitionen fiel das Land in den vergangenen 50 Jahren auch immer wieder zum Opfer.

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3. Dezember 2014

Die Ostpolitik der SPD und der aktuellen deutschen Regierung im Lichte der Geschichte und aktuellen Situation der Kapitalfraktionen in Deutschland

Von David X. Noack

Im Laufe des Deutschen Kaiserreichs ab 1871 sowie der Weimarer Republik entstanden in Deutschland zwei große Fraktionen des deutschen Kapitals, die das Gerangel um die geopolitische Ausrichtung Deutschlands für eine lange Zeit prägen sollten: Die atlantische und die kontinentale Kapitalfraktion.[1] Diese Unterscheidung beschreibt keine zwei monolithischen Blöcke, sondern grobe Tendenzen verschiedener deutscher Großkonzerne, allen voran ihrer wichtigsten Bankenhäuser. Es gab neben diesen zwei Richtungen durchaus auch Unternehmen, die mit beiden Seiten kooperierten, wie das berühmte Bankhaus Stein.[2]

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19. Oktober 2013

Kleiner Überblick über die Geopolitik

Die Ursprünge und die Entwicklung der Geopolitik sowie die Kritik an dieser Pseudowissenschaft von damals bis heute

Von David X. Noack

Die Geopolitik ist eine Pseudowissenschaft, die ihre Ursprünge im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert hat. Die beiden bedeutendsten Denkschulen dieser Disziplin waren zu jener Zeit die mitteleuropäische (Deutschland und Schweden) sowie die anglo-amerikanische (Großbritannien und die USA). Die mitteleuropäische Geopolitik hatte ihre Wurzeln in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg vor allem in den Disziplinen der Anthropologie, der Politischen Geographie und der Anthropogeographie. Als Begründer letzterer beider Wissenschaften galt Friedrich Ratzel [1] – zwei seiner Schüler (Rudolf Kjellén [2] und Karl Haushofer [3]) sollten später den mitteleuropäischen Strang der Geopolitik entscheidend prägen. Eine wesentliche Eigenschaft dieser Denkschule der Geopolitik stellte der Organizismus dar, der in den 1870er Jahren in Deutschland Wirkmächtigkeit erlangt hatte. Staaten wurden demnach als organische Einheiten verstanden – mit gleichen Interessen über alle Klassen und Schichten hinaus. Darüber hinaus prägten  auch sehr stark sozialdarwinistische Ansätze die deutschen Geopolitiker in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.[4] Den Begriff Geopolitik benutzte der schwedische Geographieprofessor Rudolf Kjellén zum ersten Mal 1899 in einem seiner Aufsätze. Sechs Jahre später tauchte der Terminus auch in Deutschland in einem von Kjellén geschriebenen Aufsatz in der Geographischen Zeitschrift auf.[5] Der Begriff breitete sich in der folgenden Zeit immer weiter aus.

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25. Juni 2012

Großbritanniens Finanzindustrie wehrt sich gegen deutsche Vormachtstellung

Ein Gastbeitrag von Mirko Knoche*

Wappen der City of London. Bildquelle: Wikipedia

Kappt die Insel ihre Verbindungen zum Kontinent? Der britische Premierminister David Cameron hat es auf dem Gipfeltreffen der Europäischen Union (EU) Anfang Dezember 2011 in Brüssel abgelehnt, die Verträge des Staatenbunds zu ändern. Noch in der Nacht zum 9. Dezember wollten ihm Schweden, Tschechien und Ungarn den Rücken stärken. Tagsüber knickten deren Regierungschefs dann aber ein. Von 27 EU-Mitgliedsländer wollen nun 26 einen Separatvertrag abschließen, um scharfe automatische Haushaltskontrollen einzuführen. So soll der Zusammenhalt der Euro-Zone gesichert werden.

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21. Juni 2012

Geopolitischer Brennpunkt Ukraine

Die Ukraine als Dreh- und Angelpunkt

Von Michel Buckley

Präsident Janukowytsch und Oppositionsführerin Timoshenko

Die Ukraine steht wegen der Fußball-Europameisterschaft wieder in den Schlagzeilen. Die Haftbedingungen der ukrainischen Oppositionspolitikerin Julija Timoshenko haben aber auch für eine Kontroverse gesorgt, die seit Ende April durch zahlreiche EM-Boykott-Aufrufe vor allem von deutschen Politikern eine internationale Dimension angenommen hat. Es stehen sich wieder die alten Kontrahenten der „orangenen Revolution“ von 2004, Timoshenko und der aktuelle Präsident Wiktor Janukowytsch, gegenüber und europäischer Politike setzen sich für die Oppositionspolitikerin ein – bis hin zum diplomatischen Affront. Dies sollte Anlass sein, sich die geopolitische Bedeutung des nach Russland flächen- und einwohnermäßig größten Landes Mittel- und Osteuropas einmal genauer anzusehen.

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3. Mai 2012

Parallelen und Paradoxien

Vor 90 Jahren schlossen Sowjetrussland und Deutschland den Vertrag von Rapallo

Ein Gastbeitrag von Valentin Falin

nullReichskanzler Joseph Wirth (2.v.l.) mit den Vertretern der russischen Seite: Krassin, Tschitscherin, Joffe. Bildquelle: Bundesarchiv.

Es sind Abertausende Bücher über das 20. Jahrhundert geschrieben worden und doch ist die Geschichte dieses Säculums noch längst nicht gerecht und ausgewogen dargestellt. Es gibt viele Hypothesen und noch mehr Unterstellungen. Doch ein Schwarz-Weiß-Denken dient nicht einer Geschichtsschreibung, die sich als Wissenschaft von der Geschichte versteht und helfen kann, aus der Vergangenheit zu lernen, um eine Wiederholung von Fehlern oder Verbrechen zu vermeiden.

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26. März 2012

Geopolitischer Brennpunkt Griechenland

Griechenland im Spiegel von Großmachtinteressen und Globaler Politischer Ökonomie

Von David X. Noack

Griechische Flagge zur Unabhängigkeitswerdung

Griechische Flagge zur Unabhängigkeitswerdung

1832 wurde der bayerische Wittelsbacher Prinz Otto, Sohn König Ludwigs I. von Bayern, als Otto der Erste der erster griechische neuzeitliche König. Otto I. war den revolutionären Hellenen von den europäischen Großmächten Großbritannien, Frankreich und Russland aufgedrückt worden. Zur Herrschaftssicherung hatte König Otto noch bis 1843 bayrische Truppen vor Ort. Das „unabhängig“ gewordene Königreich fristete ein Dasein als Spielball vor allem russischer und britischer Großmachtinteressen. Moskau verfolgte über Jahrhunderte den Drang an die warmen Meere und London hatte ein Interesse an den Handelsrouten auf den Weltmeeren, vor allem nach Indien.

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20. Januar 2012

Flandern, Wallonien, der Neoliberalismus und der Rheinische Kapitalismus

Kapitalfraktionen in Belgien

Von David X. Noack

Die südbelgische Region Wallonien dominierte die Wirtschaft Belgiens in der Blütezeit des Kapitals im 19. Jahrhundert. Französisch wurde landesweit gesprochen und der Kongo, Privatbesitz des belgischen Königs, war ebenso frankophon. Genau wie das französische Kapital investierte das belgische viel in das Russische Zarenreich. Der finanzkräftigste Financier Belgiens war jedoch Baron Empain, der mit der französischen Schneider-Gruppe (eine der wenigen in atlantische Wirtschaftszirkulationen eingebundene Unternehmensgruppen Frankreichs) verbandelt war.

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1. Oktober 2011

Kapitalfraktionen in Deutschland II – Atlantiker und Gaullisten (1944-1987)

Von David Noack

Im ersten Teil wurde die Genesis der Kapitalfraktionen in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik beschrieben, dies ist die erste Fortsetzung.

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13. September 2011

Brüssels Drang nach Osten: Die Ökonomische Kolonisierung Osteuropas 1990-2010 (Teil 2)

Von Hannes Hofbauer

Im ersten Teil legte der Wiener Publizist und Autor Hannes Hofbauer die Grundpfeiler der EU-Expansion in den vergangenen zwei Jahrzehnten dar.

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29. August 2011

Brüssels Drang nach Osten: Die Ökonomische Kolonisierung Osteuropas 1990-2010 (Teil 1)

Von Hannes Hofbauer

Zum 01.05.2004 traten acht osteuropäische Länder (sowie Zypern und Malta) der Europäischen Union bei, am 1. Januar 2007 folgten die Nachzügler Rumänien und Bulgarien. Damit hat sich der Einfluss der Brüsseler Gesetzgebung auf 106 Millionen Menschen und 1,1 Millionen Quadratkilometer erweitert. Mit Kroatien wurden die Gespräche im Juni 2011 abgeschlossen und ein Beitritt von der EU-Kommission empfohlen, Makedonien wartet seit Jahren auf das griechische Einverständnis zur Eröffnung von konkreten Aufnahmegesprächen, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro sollen gerade mit rasch wechselnden Droh- und Lockrufen politisch gefügig gemacht werden und die Türkei wird seit Jahrzehnten von den Verantwortlichen der Europäischen Gemeinschaft/Europäischen Union als eine Art strategische Reserve in der Warteschlange gehalten. Das Projekt der Erweiterung ist nicht abgeschlossen, es ist als kontinuierliches angelegt.

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8. August 2011

Kapitalfraktionen in Deutschland I – Der Atlantik oder der Kontinent

Von David X. Noack

Hjalmar Schacht

„Das gesellschaftliche »Gesamtkapital existiert nicht als bewusst handelndes Subjekt« (Hickel 1975). Das gemeinsame Interesse der Kapitalisten an der Ausbeutung der Arbeiterklasse setzt sich in der Konkurrenz der Einzelkapitale durch. »Lassen sich aber spezifische Widersprüche von Einzelkapitalien bündeln, so knüpft sich daran ein Interesse an, das den Begriff der Kapitalfraktion rechtfertigt« (…).“

Thomas Sablowski: Kapitalfraktionen, HKWM 7/I, 2008.

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