Archive for ‘Artikel’

10. Januar 2016

Sudan: Geopolitischer Schwenk ohnegleichen

Von David X. Noack

Weitgehend unbemerkt von großer medialer Aufmerksamkeit in Westeuropa und Nordamerika hat die sudanesische Regierung eine geopolitische Neuorientierung vorgenommen, die das politische Gleichgewicht in der Region nachhaltig verändern wird. Das Land hat sich unter dem islamistischen Staatspräsidenten Omar al-Baschir von der jahrzehntelang währenden Allianz mit der Islamischen Republik Iran gelöst und ist nun ein treuer Alliierter des wahabitischen Königreichs Saudi-Arabien und der anderen Golfmonarchien. Zuvor hatte sich der Sudan 30 Jahre lang in eine andere Richtung entwickelt.

21. Februar 2015

Tschechien und die Slowakei seit Beginn der Weltwirtschaftskrise: Das Wegbrechen des traditionellen bürgerlichen Lagers

Von David X. Noack

Die beiden zum Jahr 1993 in die Unabhängigkeit gestarteten Nachfolgestaaten der ehemaligen Tschechoslowakei (ČSR) haben seit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2007 einen beispiellosen Niedergang ihrer bis dahin etablierten bürgerlichen Kräfte gesehen. Liberalkonservative Parteien, die die Geschicke dieser Länder in der Dekade zuvor dominiert hatten, verschwanden teilweise oder gar vollständig von der Bildfläche des jeweiligen politischen Mainstreams.

Schlagwörter: ,
3. Dezember 2014

Die Ostpolitik der SPD und der aktuellen deutschen Regierung im Lichte der Geschichte und aktuellen Situation der Kapitalfraktionen in Deutschland

Von David X. Noack

Im Laufe des Deutschen Kaiserreichs ab 1871 sowie der Weimarer Republik entstanden in Deutschland zwei große Fraktionen des deutschen Kapitals, die das Gerangel um die geopolitische Ausrichtung Deutschlands für eine lange Zeit prägen sollten: Die atlantische und die kontinentale Kapitalfraktion.[1] Diese Unterscheidung beschreibt keine zwei monolithischen Blöcke, sondern grobe Tendenzen verschiedener deutscher Großkonzerne, allen voran ihrer wichtigsten Bankenhäuser. Es gab neben diesen zwei Richtungen durchaus auch Unternehmen, die mit beiden Seiten kooperierten, wie das berühmte Bankhaus Stein.[2]

31. Mai 2014

Was ist in Abchasien los?

Einige Hintergründe zum westgeorgischen stabilisierten De-facto-Regime

Von David X. Noack

Unruhen und der vielleicht erfolgte Sturz der Regierung der Abchasischen Republik prägen derzeit die Nachrichten aus der einstigen „sowjetischen Riviera“. Doch vor allem in der westlichen Presse dominieren einige Missverständnisse die Berichterstattung über Abchasien, welches sich 1992 von Georgien abspaltete und dessen Unabhängigkeit bis heute lediglich von den UN-Mitgliedern Russland, Venezuela, Nicaragua und Nauru sowie den weiteren stabilisierten De-facto-Regimen Südossetien, Transnistrien und Berg-Karabach anerkannt wird.

19. Oktober 2013

Kleiner Überblick über die Geopolitik

Die Ursprünge und die Entwicklung der Geopolitik sowie die Kritik an dieser Pseudowissenschaft von damals bis heute

Von David X. Noack

Die Geopolitik ist eine Pseudowissenschaft, die ihre Ursprünge im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert hat. Die beiden bedeutendsten Denkschulen dieser Disziplin waren zu jener Zeit die mitteleuropäische (Deutschland und Schweden) sowie die anglo-amerikanische (Großbritannien und die USA). Die mitteleuropäische Geopolitik hatte ihre Wurzeln in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg vor allem in den Disziplinen der Anthropologie, der Politischen Geographie und der Anthropogeographie. Als Begründer letzterer beider Wissenschaften galt Friedrich Ratzel [1] – zwei seiner Schüler (Rudolf Kjellén [2] und Karl Haushofer [3]) sollten später den mitteleuropäischen Strang der Geopolitik entscheidend prägen. Eine wesentliche Eigenschaft dieser Denkschule der Geopolitik stellte der Organizismus dar, der in den 1870er Jahren in Deutschland Wirkmächtigkeit erlangt hatte. Staaten wurden demnach als organische Einheiten verstanden – mit gleichen Interessen über alle Klassen und Schichten hinaus. Darüber hinaus prägten  auch sehr stark sozialdarwinistische Ansätze die deutschen Geopolitiker in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.[4] Den Begriff Geopolitik benutzte der schwedische Geographieprofessor Rudolf Kjellén zum ersten Mal 1899 in einem seiner Aufsätze. Sechs Jahre später tauchte der Terminus auch in Deutschland in einem von Kjellén geschriebenen Aufsatz in der Geographischen Zeitschrift auf.[5] Der Begriff breitete sich in der folgenden Zeit immer weiter aus.

24. März 2013

Militärisch-diplomatische Kurzübersicht über die Lage in Syrien

Der Bürgerkrieg an den Rändern Syriens hält an – mit Angriffen Israels verkompliziert sich die Lage derzeit vor Ort noch mehr

Von Mikulaš Čaplovič

Bereits seit März 2011 herrscht in der Arabischen Republik Syrien ein Bürgerkrieg. Anfangs friedliche Proteste schlugen die syrischen Sicherheitskräfte mit übermäßiger Härte nieder. In das Fenster von Möglichkeiten traten äußere Mächte und islamistische Extremisten, die seitdem versuchen, die syrische Regierung zu stürzen. Die Regierung der Arabischen Republik Syrien kontrolliert weiterhin – entgegen vieler Presseberichte im Westen – große Teile des eigenen Landes. Unterschiedliche Fraktionen kontrollieren die anderen Gebiete oder kämpfen untereinander oder gegen die syrischen Sicherheitskräfte um die Kontrolle der Territorien. Die Westmächte und die reaktionären Golfmonarchien haben ihre offiziellen Beziehungen zur syrischen Regierung abgebrochen und erkennen eine selbst ernannte „Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte“ sowie deren „Exilregierung“ an. Die Westmächte und die mit ihnen verbündeten Regierungen verfolgen einen Kurs der Zerstörung der syrisch-arabischen Regierung und lehnen weiterhin jedes Angebot auf Dialog ab.

16. November 2012

Bulgariens Parlamentswahl 1990 – Wenn die Falschen Wahlen gewinnen (Teil 3 und Schluss)

Ein Gastbeitrag von William Blum

1990 gewann die Bulgarische Sozialistische Partei die Parlamentswahl in dem östlichen Balkanland. Doch für die USA setzten sich mit den gewendeten Kommunisten die falschen Kräfte durch. Nach den ersten beiden Teilen erscheint hiermit der dritte Teil und Schluss des The Heartland-Blog-Dreiteilers.

Am 23. November überlebte Lukanow (gerade eben so) ein Misstrauensvotum, das dazu führte, dass die UDK aus dem Parlament stürmte und verkündete, dass sie für eine „undefinierte Periode“ nicht zurückkehren würde.“ Drei Tage später leitete die Podkrepa-Gewerkschaftsorganisation einen „Generalstreik“ in die Wege, der nicht von der Mehrheit der Arbeiter der Nation unterstützt wurde.[1]

13. Oktober 2012

Bulgariens Parlamentswahl 1990 – Wenn die Falschen Wahlen gewinnen (Teil 2)

Ein Gastbeitrag von William Blum

1990 gewann die Bulgarische Sozialistische Partei die Parlamentswahl in dem östlichen Balkanland. Doch für die USA gewannen mit den gewendeten Kommunisten die falschen Kräfte. Nach dem ersten Teil hier nun der zweite Teil des The Heartland-Blog-Dreiteilers. Der dritte Teil erscheint demnächst.

Logo der Gewerkschaft Podkrepa (Bildquelle: Wikipedia)

Logo der Gewerkschaft Podkrepa (Bildquelle: Wikipedia)

Die Demonstrationen, die Proteste und die Agitation gingen im Juli täglich weiter. Eine „Stadt der Freiheit“, die aus mehr als 60 Zelten bestand, wurde im Zentrum von Sofia aufgestellt, besetzt von Leuten, die sagten, dass sie dort bleiben würden bis alle hochrangigen bulgarischen Politiker, die unter dem alten kommunistischen Regime gedient hatten, entfernt wären. Als ihnen verweigert wurde, was sie als angemessenen Zugang zu den Medien betrachteten, fügten die Protestierenden den Rücktritt des Chefs des bulgarischen Fernsehens zu ihren Forderungen hinzu.[1] Einmal wurde ein riesiger Scheiterhaufen auf der Straße errichtet, in dem Texte der kommunistischen Zeit verbrannt wurden, sowie auch Parteiprogramme und Flaggen.[2]

25. Juni 2012

Großbritanniens Finanzindustrie wehrt sich gegen deutsche Vormachtstellung

Ein Gastbeitrag von Mirko Knoche*

Wappen der City of London. Bildquelle: Wikipedia

Kappt die Insel ihre Verbindungen zum Kontinent? Der britische Premierminister David Cameron hat es auf dem Gipfeltreffen der Europäischen Union (EU) Anfang Dezember 2011 in Brüssel abgelehnt, die Verträge des Staatenbunds zu ändern. Noch in der Nacht zum 9. Dezember wollten ihm Schweden, Tschechien und Ungarn den Rücken stärken. Tagsüber knickten deren Regierungschefs dann aber ein. Von 27 EU-Mitgliedsländer wollen nun 26 einen Separatvertrag abschließen, um scharfe automatische Haushaltskontrollen einzuführen. So soll der Zusammenhalt der Euro-Zone gesichert werden.

21. Juni 2012

Geopolitischer Brennpunkt Ukraine

Die Ukraine als Dreh- und Angelpunkt

Von Michel Buckley

Präsident Janukowytsch und Oppositionsführerin Timoshenko

Die Ukraine steht wegen der Fußball-Europameisterschaft wieder in den Schlagzeilen. Die Haftbedingungen der ukrainischen Oppositionspolitikerin Julija Timoshenko haben aber auch für eine Kontroverse gesorgt, die seit Ende April durch zahlreiche EM-Boykott-Aufrufe vor allem von deutschen Politikern eine internationale Dimension angenommen hat. Es stehen sich wieder die alten Kontrahenten der „orangenen Revolution“ von 2004, Timoshenko und der aktuelle Präsident Wiktor Janukowytsch, gegenüber und europäischer Politike setzen sich für die Oppositionspolitikerin ein – bis hin zum diplomatischen Affront. Dies sollte Anlass sein, sich die geopolitische Bedeutung des nach Russland flächen- und einwohnermäßig größten Landes Mittel- und Osteuropas einmal genauer anzusehen.

3. Mai 2012

Parallelen und Paradoxien

Vor 90 Jahren schlossen Sowjetrussland und Deutschland den Vertrag von Rapallo

Ein Gastbeitrag von Valentin Falin

nullReichskanzler Joseph Wirth (2.v.l.) mit den Vertretern der russischen Seite: Krassin, Tschitscherin, Joffe. Bildquelle: Bundesarchiv.

Es sind Abertausende Bücher über das 20. Jahrhundert geschrieben worden und doch ist die Geschichte dieses Säculums noch längst nicht gerecht und ausgewogen dargestellt. Es gibt viele Hypothesen und noch mehr Unterstellungen. Doch ein Schwarz-Weiß-Denken dient nicht einer Geschichtsschreibung, die sich als Wissenschaft von der Geschichte versteht und helfen kann, aus der Vergangenheit zu lernen, um eine Wiederholung von Fehlern oder Verbrechen zu vermeiden.

26. März 2012

Geopolitischer Brennpunkt Griechenland

Griechenland im Spiegel von Großmachtinteressen und Globaler Politischer Ökonomie

Von David X. Noack

Griechische Flagge zur Unabhängigkeitswerdung

Griechische Flagge zur Unabhängigkeitswerdung

1832 wurde der bayerische Wittelsbacher Prinz Otto, Sohn König Ludwigs I. von Bayern, als Otto der Erste der erster griechische neuzeitliche König. Otto I. war den revolutionären Hellenen von den europäischen Großmächten Großbritannien, Frankreich und Russland aufgedrückt worden. Zur Herrschaftssicherung hatte König Otto noch bis 1843 bayrische Truppen vor Ort. Das „unabhängig“ gewordene Königreich fristete ein Dasein als Spielball vor allem russischer und britischer Großmachtinteressen. Moskau verfolgte über Jahrhunderte den Drang an die warmen Meere und London hatte ein Interesse an den Handelsrouten auf den Weltmeeren, vor allem nach Indien.